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Weiße Bluse

Lange Zeit galten weiße Blusen für mich als das Nonplusultra, zumindest wenn man eine spießige Büroangestellte war. Tatsächlich habe ich in den sechs Monaten in denen ich mein Dasein in eben solch einer Institution genießen durfte, kein einziges Mal eine weiße Bluse getragen. Ich gehörte eher zu den vermeintlich Kreativen mit der “ in-Socken-am-Tisch-sitzen“ Attitüde. Auch tauchten schneeweiße Bluse lange Zeit danach nicht auf meinem Radar auf, obwohl die ein oder andere Bluse, meinem geliebten Vintage Hemd von Papa sei Dank, bereits in meinen Kleiderschrank geschafft hatte.

Meine Begeisterung für das Jungfräuliche überkam mich letztlich über einen Umweg und meiner Liebe zur Sprache der Liebe. Insbesondere die Protagonistinnen dieser Sprache im nicht weit entfernten Paris, eröffneten mir an einem regnerischen Abend eine ganz simple Weisheit: weniger ist manchmal mehr und die Kombination aus hohen Schuhen, einer Blue Jeans und einem weißen Hemd ist genau das Richtige für eine Frau mit Köpfchen und subtilem Sexappeal. Nicht das ich mich nun immer dazuzählen würde, aber den Anschein darf man doch immerhin noch erwecken.

Tatsächlich fühle ich mich in meinem Hemd kein bisschen wie eine vorzeitig ergraute Lady mit Hornbrille, um einmal alle Klischees liebevoll zu streifen. Vielmehr greife ich zu dieser Kombi immer dann, wenn ich innerlich wie äußerlich einen Resetbutton brauche. Wenn das ganze Ge- und Ersuche einer neuen fabelhaft modischen Kombination sich einfach nur noch wie der Kampf um einen Platz in der Bahn am 1. Mai anfühlt und man anschließend eine Dissertation über die heimische Kräuselung des Achselhaares des durchschnittlichen Mitteleuropäers schreiben kann.

Weiße Blusen sind mehr als der Ruf der ihnen vorauseilt, was man übrigens von Avocado auf Toast nicht behaupten kann, und es tut gut zu wissen auf wen ich mich verlassen kann, sollten mich meine Liebe zur Mode wieder einmal in heftigen Liebeskummer stürzen.